Sessions

Einen praxisorientierten Zugang zum Thema Resonanz bieten Kunstpädagog_innen, Kunstvermittler_innen, Bildende Künstler_innen, Kunsttherapeut_innen, Choreograph_innen, Studierende ästhetischer Fächer und Naturwissen-schaftler_innen in den Sessions. Pro Session finden vier bzw. drei Angebote zeitgleich statt.

 

FREITAG
13/11/2020  17-19 Uhr

Session I

VERENA ZIMMERMANN // HALLE

outside myself

 

outside myself beschreibt ein temporäres Leben im ‚Dazwischen‘, durch die Begegnung mit dem Ungewissen. Dahinter steht eine persönliche Reise, die versucht Freiheit und die darin liegende Lebendigkeit zu erfahren, im Alleinsein — auch wenn man dabei zunächst die eigenen Ängste überwinden muss. Diese Auseinandersetzung ist ein Aufruf, das Ungewisse ins Leben zu lassen und die darin vorhandenen Kräfte zu entdecken, die verbunden sind mit resonanten Schwingungen zwischen sich selbst und der Selbstwirksamkeit in der Welt. Durch diesen resonanten Zustand ermöglichen wir uns selber, durch Spontanität, durch Befreiung von umgebenden starren und rationalen Begrenzungen und Anforderungen in eine andere Beziehung mit uns und unserer Umgebung zu treten.

outside myself ist eine künstlerische und inhaltliche Auseinandersetzung von Verena Zimmermann. Begleitet wird ihre Arbeit inhaltlich u.a. von der Resonanztheorie von Hartmut Rosa, sowie die Überlegungen von Erich Fromm zu Freiheit und dem spontanen Tätigsein. Diese Positionen stehen der eigenen Lebenswelt, gesellschaftlichen Strukturen im Kontext neoliberaler Anforderungen gegenüber und der Frage, was passiert, wenn wir uns ins Ungewisse begeben und welche Verbindung zur Resonanz dahintersteckt. Fühlt euch eingeladen zu einem Vortrag über die Arbeit, ein gemeinsames Gespräch und ein Austausch über das Ungewisse und die dahintersteckenden Chancen sowie einer kleinen Ausstellung.

KLARA STADION UND ALMA KÖHLER // MAINZ
Ohne Umwege

 
Was zeigen Ausstellungen? Wer stellt aus? Wie partizipiert das Publikum? Was sind Schnittstellen zwischen künstlerischer Praxis und Vermittlung? Die zwei Kunststudentinnen, Alma Köhler und Klarissa Stadion sind diesen Fragen nachgegangen und versuchen in ihrem künstlerisch-edukativen Projekt, ein fremdes Publikum in der eigenen Arbeit und Ausstellung partizipieren zu lassen. Gibt es Resonanz? Im gemeinsamen Diskurs im Workshop sollen Möglichkeiten der gemeinsamen Ausstellungpraxis zwischen Künstler*in, Kuration und Betrachter*in diskutiert werden und Ansatzpunkte für neue Formen von Ausstellungen-Machen und Ausstellungen-Betrachten mit Kindern und Erwachsenen erprobt werden. Der Workshop verbindet praktische Ansätze mit aktuellen Positionen aus der Kunstvermittlung und der Kunst. Die Diskurse sollen dabei helfen, eigene Lösungswege und Strategien zu formulieren, die das Publikum dabei unterstützen, emanzipiert Kunst zu betrachten und dazu motivieren Ausstellungen nicht nur zu betrachten, sondern selbst aktiv zu gestalten - also in Resonanz zu treten, mit sich selbst und dem Umfeld.

MIEKE MÜLLER // MÜNCHEN

Resonanz im Bildraum

 

Durch das angeleitete gemeinsame Gestalten am „runden Tisch“ erleben die Teilnehmer*innen die Möglichkeit mit dem Erlebten, Gehörten, Erlernten etc. der Tagung in Resonanz zu gehen. Das sinnliche Erleben in der Gestaltung kann unbewusste Gefühle zu Themen, Positionen sichtbar und erfahrbar werden lassen. Gleichzeitig wird die Resonanz der anderen Teilnehmer*innen spürbar. Das Hin- und Herschwingen darf in der intuitiven, wertfreien Gestaltung sichtbar werden. Der Prozess soll anschließend in einer Diskussion reflektiert werden.

ALICIA JABLONSKI // DORTMUND

Die Resonanz der Dinge - DER MUSEUMStRAUM

 

Museumsfotografien der 1950er Jahre und die Fragen: Was können mir diese Fotografie sagen? Was ist drauf zu sehen?

Was ist Original und was ist ein Abzug? Diese und weitere Fragen stellten wir - eine kleine Gruppe von Masterstudierenden des Seminars für materielle Kultur der Technischen Universität Dortmund - uns im Oktober 2019. Seitdem stehen wir in regem Austausch mit dem Schwarz-Weiß Fotografien des Künstlers Albert Renger-Patzsch, die er im Auftrag der Museumsdirektion des Museums am Ostwall, Leonie Reygers, in den 1950er Jahren anfertigte. Wir begaben uns auf eine Spurensuche nach den Räumen, Menschen und Dingen hinter den Fotografien.

 

Um ein Objekt in seinem Kern zu begreifen und zu erfassen, ist ein Austausch mit ihm notwendig. Das Hinterfragen der drei Fotografien eröffnete einen vielschichtigen Diskurs der Objektbiografien und -bedeutungen, aus dem im Frühjahr eine Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund entstehen wird.

SAMSTAG

14/11/2020 14-16 Uhr

Session II

BARNABAS HERRMANN // LEIPZIG

Eintreten in die Gegenwart: Improvisation als gestaltete Zeit. Eine Lecture-Performance

 

Wann immer man über Erfahrungen redet, hat man es, unter anderem, mit zeitlichen Phänomenen zu tun. Was immer sie sonst noch sein mag – jede Erfahrung ist zeitlich. Die Philosophie der Zeit klärt uns darüber auf, wie sehr wir über die Bedingungen unserer eigenen Erfahrungen im Unklaren sind. Spätestens seit den phänomenologischen Untersuchungen Edmund Husserls wissen wir, dass die Zeit, die Gegenwart „in der wir leben“, ein Konstrukt ist, das Ergebnis einer komplexen Syntheseleistung des Bewusstseins, das die Leereder physikalischen Zeit mit Dauer füllt, ihre Dimensionen auseinander treibt undden menschlichen Geist zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sich entfalten lässt. Aus dieser Einsicht wird deutlich, warum uns allzu oft unsere Erfahrungen zu entgleiten scheinen; um gelingend zu leben, muss die Gegenwart, jene scheinbar ausdehnungslose Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft, sich öffnen! Denn nur durch sie, jene zugleich unhintergehbare und flüchtige Dimension unserer Lebenszeit können wir in unser eigenes Leben eintreten, etwas wahrnehmen, gestalten und kommunizieren.

 

Während es dem begrifflichen Denken stets schwerfiel, den Zugriff auf die Gegenwart mittels kohärenter Beschreibungen zu eröffnen, gibt es eine Kunstform, die in der Gegenwart immer schon ihr ureigenes Feld sehen konnte: Die Improvisation. In der europäischen Musikgeschichte meist als peripheres Phänomen behandelt, entfaltet sie doch seit einigen Jahrzehnten, nicht nur im Jazz, sondern auch in den extremeren Formen der experimentellen Musik und freien Improvisation stetig wachsendes kreatives Potential.

 

Wenn es nicht gelingen will zu sagen, was die Gegenwart ist, so ließe sich durchimprovisierte Musik vielleicht zeigen, wie es ist, in der Gegenwart zu sein.

CLAUDIA THÜMLER & SONJA TUCINSKIJ // MONTAGS STIFTUNG KUNST UND GESELLSCHAFT // BONN

Resonanzen - ein Kunstprojekt zum Mitgestalten

 

Wie klingt es, wenn wir mit der Welt um uns herum in Kontakt treten? Das auf mehrere Jahre angelegte Projekt der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft lädt Menschen ein, zu entdecken und mitzugestalten, was sie an ihren Lebensorten fühlen, hören und empfinden. Von Mai bis Oktober 2020 wurde in Mönchengladbach-Rheydt sowohl in einer Projektzentrale als auch in einem mobilen temporären Resonanzraum experimentiert und gestaltet. Die vielstimmigen Resonanzen aus diesem Projekt fließen in die weitere inhaltliche Entwicklung ebenso ein wie in die Suche nach weiteren Projektstandorten.

Der Workshop bietet Einblicke in ein partizipatives Projekt, das trotz der Covid-19 Restriktionen stattgefunden hat und den künstlerischen Raum, eigene Ideen zu entwickeln und zu diskutieren.

LYDIA MÜLLER UND CORNELIA MÜNDELEIN // POTSDAM

Ausrichtung zur Möglichkeit

Raum, Zeit und Form in Integrität mit sich und der Gruppe erfahrbar werden lassen

Ein praktischer Workshop zum Zusammenspiel von Körper, Raum und Ausdruck

 

Resonanz in der Kunst, im Tanz, im Leben. Wir alle verstehen die Begrifflichkeit der Resonanz unterschiedlich. Je nach Sozialem Background, Bildung oder Kultureller Herkunft ist unser Erleben der Resonanz geprägt. Für alle jedoch ist sie ein menschliches Grundbedürfnis und eine Grundfähigkeit. Gemeinsam finden wir in dem Workshop Möglichkeiten, Resonanz praktisch erlebbar zu machen und geben einen theoretischen Input zu einer von vielen Möglichkeiten, Resonanz im zeitgenössischen Kunstumfeld zu verstehen, sich an den Begriff anzunähern und aktiv mitzugestalten.

Lydia Müller und Cornelia Mündelein studierten in den 90erJahren an der Hochschule der Künste Arnheim, Tanz und Choreographie am European Dance Development Center (EDDC) - einer internationalen Fakultät, geprägt von den interdisziplinären und soziologischen Ansätzen in der Kunst (-Vermittlung) des Bauhauses und des Black Mountain College, welche sich in den 60er Jahren in den USA verbreiteten und ihre Wege zurück nach Europa fanden. Heute arbeiten sie in der Kunst, deren Vermittlung und im Therapeutischen Feld.

 

Der Workshop ist für alle interessierten Menschen offen, bedarf keiner Vorkenntnisse und berührt sowohl Seiten der Darstellenden Kunst-Praxis als auch der Bildenden Kunst-Praxis sowie der Kunstvermittlung im Allgemeinen.

 

Der Workshopzeitraum beträgt insgesamt 2 Stunden.

TABEA BORCHARDT // ESSEN

Möglichkeitsräume - Wege und Orte der Vermittlung, Freiheit der Ausgestaltung, Perspektiven vermittelnder und pädagogischer Angebote

 

In der Kunstvermittlung und Kunstpädagogik begegnen uns Menschen jeden Alters, die unterschiedliches Hintergrundwissen und verschiedene Vorstellungen mitbringen. Zugleich bringen all diese Personen eigene Fähigkeiten, Gedanken und Ideen in Projekte ein – wenn wir den Raum hierfür schaffen. Welche Ansätze, Möglichkeiten – und auch Hürden – sich in der praktischen, kunstvermittelnden Tätigkeit zu bewegen, birgt diese große Diversität von Altersgruppen, Vorkenntnissen, Orten und Räumen? An welcher Stelle kann ich mich als Vermittelnde Person, und als Mensch positionieren, in der Vielfalt der beruflichen und inhaltlichen Perspektiven? Inwieweit bereichern Impulse von Innen und Außen einzelne Projekte? Wie können Wechselspiele zwischen vermittelnder Person und jeweiligem Gegenüber initiiert werden? Wie können Räume geöffnet werden, für Diskurs und eigenständiges Experimentieren und Agieren in der künstlerischen Praxis? Diese und weitere Fragen sind Bestandteil des Open Space

 

Die freischaffende Künstlerin, Kunstvermittlerin und Mitglied des Künstlerkollektivs Triebfeder, Tabea Borchardt, berichtet aus verschiedenen Praxisfeldern wie beispielsweise Museen, Schulen, Kita’s und Projekten in freier Trägerschaft.

 

Der Open Space bietet Raum für Austausch, Fragen, Ideensammlung und Diskussion. Dieser so gewonnene offene Raum, bietet Möglichkeit sich selbst bewusst zu positionieren, sowie Ideen und mögliche Wege für die eigene Zukunft in der Kunstvermittlung zu entwickeln.

SAMSTAG

14/11/2020 17-19 Uhr

 

Session III

JULIA HEISER // DARMSTADT / WEIMAR

Außenraumplanung von Ganztagsschulen – partizipative Forschung mit Jugendlichen

 

Im Rahmen der Tagung möchte ich meine Masterarbeit zur Außenraumplanung von Ganztagsschulen und deren partizipativen Forschungsprozess vorstellen. Entgegen der gängigen Praxis ››je älter das Kind, desto weniger ansprechend der Schulhof‹‹ (Klika 2012: 251) möchte ich aufzeigen, welche Anforderungen Jugendliche an einen Schulhof stellen und wie diesen entsprochen werden kann. Denn die gestalterische Qualität der gebauten Umwelt wirkt sich unmittelbar auf unser Verhalten und Wohlbefinden in diesen ›Räumen‹ aus.

JOHANNA TEWES // HAMBURG

Resonanz als Grundlage von Schulentwicklungsprozessen -­ Ein Beispiel aus der Praxis

 

Folgt man der Resonanztheorie des deutschen Soziologen Hartmut Rosa, spielt die Schule eine entscheidende Rolle in der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen, denn sie formt die Qualität ihrer Weltbeziehung. Der Lehrplan spielt hierbei nur eine Nebenrolle, da sich diese Weltbeziehung in dichten Interaktionsprozessen zwischen Schülerinnen und Schülern, zwischen Lernenden und Lehrenden wie auch zwischen den Lernenden und dem „Stoff“ entfalten kann und damit in ihrer Wirkung weit über den Klassenraum hinausreicht. Hierbei kommt es darauf an, dass die Schülerinnen und Schüler positive Selbstwirksamkeitserfahrungen machen, um sich die Welt in ihren Ausschnitten aktiv anverwandeln zu können (Rosa 2016: 403-­‐404).

 

Ausgehend von dieser These hat es sich das Walddörfer-­Gymnasium in Hamburg zur Leitlinie für die Schulentwicklung gemacht, die Schulkultur, die sozialen Beziehungen und die Lernumgebung so zu gestalten, dass sie möglichst viele Resonanzräume eröffnet, in der die Schülerinnen und Schüler sowohl auf fachlicher als auch auf sozialer Ebene vielfältige Selbstwirksamkeitserfahrungen machen und diese reflektieren können. Wie dies konkret im Schulalltag umgesetzt wird, soll an den drei für die Schule charakteristischen Formaten: “Studienzeit”, “Kabinettsystem” und die Arbeit mit einer Lernplattform gezeigt werden. Dies geschieht einerseits unter besonderer Berücksichtigung der fachlichen Perspektive des Kunstunterrichts, zeigt aber andererseits auch Ansätze zur Öffnung tradierter Fach‐ und Schulstrukturen.

ELISABETH APEL // ERFURT / WEIMAR

Die Kunstmappe "Bildberührung" im Kunstunterricht - Eine Antwortbeziehung.

 

Kunstwerken können wir uns auf ganz unterschiedlichen Ebenen nähern und sie für unseren Unterricht und die eigene ästhetische Auseinandersetzung verwenden. Am Beispiel der Thüringer Kunstmappe "Bildberührung" werden wir erkunden, wie wir Kunstwerke nutzen und Schülerinnen und Schülern vielfältige ästhetische Erfahrungsräume öffnen können. Durch (über-)zeichnen, collagieren, umdeuten uvm. werden wir in Resonanz mit den Werken der Kunstmappe gehen und individuelle Antworten entwickeln.


9. Studentische Tagung zur Kunstvermittlung in Weimar

Resonanz 2020