BEITRÄGE

 

MARTIN REPOHL

Die Beziehungsqualität der materiellen Welt – Aspekte einer resonanzsensiblen Perspektive auf Materialität

Keynote am Freitag

 

Wie beeinflusst die Materialität der Dinge die Möglichkeit und die Qualität von Weltbeziehung? Die Keynote möchte unter dem Begriff der Beziehungsqualität von Materialität eine Perspektive vorstellen, welche die Dinge nicht nur als Produkte sozialer Beziehungen begreift, sondern diese ebenso auch als Produzenten der Möglichkeit von Beziehung betrachtet, um so eine resonanzsensible Konzeption des Begriffes Materialität zu entwickeln. Der Auseinandersetzung mit Materialität kommt damit gerade in Bildungsprozessen eine erhebliche Bedeutung zu. Denn sowohl die Erfahrung materieller Beziehungsqualität als auch ihr Ausbleiben im Sinne einer materiellen Entfremdung ist konstitutiv für die Herausbildung einer differenzierten Beziehungsfähigkeit, welche erforderlich für die resonante Anverwandlung von Welt ist. Der Kunst kommt in diesem Sinne eine zentrale Bedeutung zu, findet sich hier doch ein offener Raum für den Umgang mit Materialität, in dem materielle Beziehungsqualität in all ihren Facetten erscheinen und erfahrbar gemacht werden kann. Im Rahmen des Vortrages soll gemeinsam diskutiert werden, wie eine resonanzsensible Form von Kunstvermittlung aussehen könnte und wie diese einen Beitrag zur Herausbildung von sensibler Beziehungsfähigkeit im Kontakt zur materiellen Welt leisten kann.

PROF. DR. MANUEL ZAHN

Resonanz - Medienökologische Perspektive der Kunstpädagogik
Keynote am Freitag

 
Der Vortrag befragt den Begriff der Resonanz für eine zeitgemäße Theorie der Kunstpädagogik und der Ästhetischen Bildung. Dazu werden Überlegungen in medienökologischer und medienästhetischer Perspektive vorgestellt, die im Anschluss an einen starken Resonanz-Begriff den Menschen als in mannigfachen Beziehungen zu seiner Umwelt (Materialien, Tiere, Dinge, Instrumente, Maschinen, Techniken, Technologien und nicht zuletzt auch andere Menschen) eingelassen und dementsprechend sowohl Subjektivität, Wahrnehmung, (ästhetische) Erfahrung sowie Praxis als mediatisierte und verteilte zu konzipieren sucht. Von besonderem Interesse dabei ist in bildungstheoretischer Hinsicht die Frage, welche Verschiebungen sich dadurch im Nachdenken über Kunstvermittlung und Kunstpädagogik ergeben.

VERENA ZIMMERMANN

outside myself
Session I

 

outside myself beschreibt ein temporäres Leben im ‚Dazwischen‘, durch die Begegnung mit dem Ungewissen. Dahinter steht eine persönliche Reise, die versucht Freiheit und die darin liegende Lebendigkeit zu erfahren, im Alleinsein — auch wenn man dabei zunächst die eigenen Ängste überwinden muss. Diese Auseinandersetzung ist ein Aufruf, das Ungewisse ins Leben zu lassen und die darin vorhandenen Kräfte zu entdecken, die verbunden sind mit resonanten Schwingungen zwischen sich selbst und der Selbstwirksamkeit in der Welt. Durch diesen resonanten Zustand ermöglichen wir uns selber, durch Spontanität, durch Befreiung von umgebenden starren und rationalen Begrenzungen und Anforderungen in eine andere Beziehung mit uns und unserer Umgebung zu treten.

outside myself ist eine künstlerische und inhaltliche Auseinandersetzung von Verena Zimmermann. Begleitet wird ihre Arbeit inhaltlich u.a. von der Resonanztheorie von Hartmut Rosa, sowie die Überlegungen von Erich Fromm zu Freiheit und dem spontanen Tätigsein. Diese Positionen stehen der eigenen Lebenswelt, gesellschaftlichen Strukturen im Kontext neoliberaler Anforderungen gegenüber und der Frage, was passiert, wenn wir uns ins Ungewisse begeben und welche Verbindung zur Resonanz dahintersteckt. Fühlt euch eingeladen zu einem Vortrag über die Arbeit, ein gemeinsames Gespräch und ein Austausch über das Ungewisse und die dahintersteckenden Chancen sowie einer kleinen Ausstellung.

KLARA STADION UND ALMA KÖHLER
Ohne Umwege

Session I

 
Was zeigen Ausstellungen? Wer stellt aus? Wie partizipiert das Publikum? Was sind Schnittstellen zwischen künstlerischer Praxis und Vermittlung? Die zwei Kunststudentinnen, Alma Köhler und Klarissa Stadion sind diesen Fragen nachgegangen und versuchen in ihrem künstlerisch-edukativen Projekt, ein fremdes Publikum in der eigenen Arbeit und Ausstellung partizipieren zu lassen. Gibt es Resonanz? Im gemeinsamen Diskurs im Workshop sollen Möglichkeiten der gemeinsamen Ausstellungpraxis zwischen Künstler*in, Kuration und Betrachter*in diskutiert werden und Ansatzpunkte für neue Formen von Ausstellungen-Machen und Ausstellungen-Betrachten mit Kindern und Erwachsenen erprobt werden. Der Workshop verbindet praktische Ansätze mit aktuellen Positionen aus der Kunstvermittlung und der Kunst. Die Diskurse sollen dabei helfen, eigene Lösungswege und Strategien zu formulieren, die das Publikum dabei unterstützen, emanzipiert Kunst zu betrachten und dazu motivieren Ausstellungen nicht nur zu betrachten, sondern selbst aktiv zu gestalten - also in Resonanz zu treten, mit sich selbst und dem Umfeld.

MIEKE MÜLLER

Resonanz im Bildraum

Session I

 

Durch das angeleitete gemeinsame Gestalten am „runden Tisch“ erleben die Teilnehmer*innen die Möglichkeit mit dem Erlebten, Gehörten, Erlernten etc. der Tagung in Resonanz zu gehen. Das sinnliche Erleben in der Gestaltung kann unbewusste Gefühle zu Themen, Positionen sichtbar und erfahrbar werden lassen. Gleichzeitig wird die Resonanz der anderen Teilnehmer*innen spürbar. Das Hin- und Herschwingen darf in der intuitiven, wertfreien Gestaltung sichtbar werden. Der Prozess soll anschließend in einer Diskussion reflektiert werden.

RAUL JORDAN

Stille spricht

Session I

 

Unsere Beziehung zur Stille sagt das Grundlegende über unseren seelischen Gesundheitszustand aus. Wenn wir sie – die innere Stille – nicht unmittelbar kontaktieren können, fangen wir an zu leiden. Wir achten nur auf den Lärm des Denkens, der sie überlagert, und auf täuschende Gefühlswogen, die die Tiefe in uns verbergen. Wir verlieren uns in der Welt, in Für und Wider und Oberflächlichkeit. Das nennt man zum Beispiel Projekte, Diskussionen oder Partnerschaftsbeziehung. Solche Aspekte unseres Lebens sind nur dann wirklich fruchtbar und friedensstiftend, wenn sie unsere Bewusstheit für das, was wir im tiefsten Inneren sind – nämlich still – nicht verdecken. Ist es also möglich, mitten im Alltag vollkommen frei aus der Stille heraus zu leben? Sei herzlich eingeladen zu einer zu einer tiefen, achtsamen Begegnung!

CLAUDIA THÜMLER & SONJA TUCINSKIJ / MONTAGS STIFTUNG KUNST UND GESELLSCHAFT

Resonanzen - ein Kunstprojekt zum Mitgestalten

Session I

 

Wie klingt es, wenn wir mit der Welt um uns herum in Kontakt treten? Das auf mehrere Jahre angelegte Projekt der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft lädt Menschen ein, zu entdecken und mitzugestalten, was sie an ihren Lebensorten fühlen, hören und empfinden. Von Mai bis Oktober 2020 wurde in Mönchengladbach-Rheydt sowohl in einer Projektzentrale als auch in einem mobilen temporären Resonanzraum experimentiert und gestaltet. Die vielstimmigen Resonanzen aus diesem Projekt fließen in die weitere inhaltliche Entwicklung ebenso ein wie in die Suche nach weiteren Projektstandorten.

Der Workshop bietet Einblicke in ein partizipatives Projekt, das trotz der Covid-19 Restriktionen stattgefunden hat und den künstlerischen Raum, eigene Ideen zu entwickeln und zu diskutieren.

LARA HANN

do you resonate?

Ausstellung am Freitagabend

 

Im Rahmen meiner künstlerisch-praktischen Examensarbeit habe ich mich mit der Frage auseinandergesetzt, inwieweit durch die Begrenzung auf die Mittel der Videoperformance und durch Video-Mapping ein Resonanzraum geschaffen werden kann. Aus der eigenen künstlerischen Arbeit wurde ein Resonanz-Toolkit abgeleitet, welches Schüler*innen ermöglichen soll, selbstständig einen eigenen Resonanzraum zu gestalten.

LEA MÜNNICH

Innen / Außen – Einflüsse im Resonanzraum sozialer Medien

Ausstellung am Freitagabend

 

ALICIA JABLONSKI

Die Resonanz der Dinge - DER MUSEUMStRAUM
Beitrag am Freitagabend

 

Museumsfotografien der 1950er Jahre und die Fragen: Was können mir diese Fotografie sagen? Was ist drauf zu sehen?

Was ist Original und was ist ein Abzug? Diese und weitere Fragen stellten wir - eine kleine Gruppe von Masterstudierenden des Seminars für materielle Kultur der Technischen Universität Dortmund - uns im Oktober 2019. Seitdem stehen wir in regem Austausch mit dem Schwarz-Weiß Fotografien des Künstlers Albert Renger-Patzsch, die er im Auftrag der Museumsdirektion des Museums am Ostwall, Leonie Reygers, in den 1950er Jahren anfertigte. Wir begaben uns auf eine Spurensuche nach den Räumen, Menschen und Dingen hinter den Fotografien.

Um ein Objekt in seinem Kern zu begreifen und zu erfassen, ist ein Austausch mit ihm notwendig. Das Hinterfragen der drei Fotografien eröffnete einen vielschichtigen Diskurs der Objektbiografien und -bedeutungen, aus dem im Frühjahr eine Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund entstehen wird.

DR. KERSTIN HALLMANN

Kunstvermittlung zwischen Kompetenz, Performanz und Resonanz

Keynote am Samstag

 

Der Kompetenz-Begriff prägt nicht nur seit Jahren die Bildungspolitik und die Fokussierung auf die Steuerung des Bildungswesens, sondern auch unser Denken und Handeln in Schule. Demgegenüber bieten Begrifflichkeiten wie Performanz und Resonanz eine andere Sicht auf das Lehren und Lernen im schulischen Kontext. Welche Perspektiven eröffnet diese Trias für die Kunstvermittlung im Schulsystem? Wie verändert sich unser Denken und Handeln, wenn wir uns mit Theorien zur Resonanz befassen?

 

Aktuell wird Resonanz vor allem als Gegenentwurf zur Beschleunigung postmoderner Gesellschaften und als herbeizuführende Bedingung für ein glücklicheres Leben oder guten Unterricht diskutiert. Im Französischen verweist die Endung „ance“ allerdings auf einen Zustand, der zwischen dem Aktiven und Passiven verharrt und damit auch für die Bedeutung der „resonance“ eine wichtige gedankliche Spur legt, die insbesondere für Bildungsprozesse von zentraler Relevanz ist. Aus Perspektive der Phänomenologie lässt sich hier ein begriffliches Verständnis entfalten, in dem die Erfahrung von Welt eine wesentliche Bedeutung einnimmt und unser grundlegendes „Zur-Welt-Sein“ thematisiert. Dabei spielen insbesondere jene Momente eine Rolle, die wir nicht aktiv lenken, sondern die durch ihren Anspruch auf eine „Anrührung“ durch etwas oder anderes unseren Reaktionen auf radikale Weise immer schon vorrausgehen.

 

Im Vortrag werden theoretische Ansätze für ein weiterführendes, theoretisches Verständnis bezüglich der Bedeutungsdimensionen und Spannungsverhältnisse der Termini Kompetenz, Performanz und Resonanz im Kontext von kunstpädagogischen und kunstvermittelnden Bildungszusammenhängen erläutert. Beispiele aus der kunstpädagogischen Praxis zeigen exemplarisch Momente dieses Zusammenhangs in ästhetischen Bildungsprozessen auf. Sie bieten Anlass zur gemeinsamen Diskussion der Frage, welche Konsequenzen sich durch ein phänomenologisch orientiertes Resonanz-Verständnis für die Kunstvermittlung eröffnen.

PROF. DR. JÜRGEN OBERSCHMIDT

Resonanz - Musikalische Metapher oder Symphonie einer Weltbeziehung?

Keynote am Samstag

 

„Ein gutes Gleichnis erfrischt den Verstand“, wusste bereits der Sprachwächter Ludwig Wittgenstein, auch wenn er zugleich befand, dass sich das Denken an den Grenzen der Begriffe leicht „Beulen“ holt.

Solchen Abschürfungen, Quetschungen oder gar Angriffen sieht sich derzeit Hartmut Rosas Resonanz-Theorie ausgesetzt. Gleichzeitig findet seine „Soziologie mit der Stimmgabel“ (Die ZEIT) große „Resonanz“, müht sie sich doch gegen die Beschleunigungsmechanismen der Moderne. Eine interdisziplinäre Diskussion ist hier längst eröffnet (Peters/Schulz 2017, Beljan 22019, Maset/Hallmann 2017, Rosa 2018).

Rosas „Soziologie einer Weltbeziehung“ changiert dabei selbst in einem Schwingungsfeld zwischen Metapher und Begriff. Kritik setzt dabei dann ein, wenn sich Rosas Theorie vom bildspendenden Phänomen löst und dabei eigene Wege geht, im Leser aber eine ursprüngliche (wörtliche) Bedeutung von „Resonanz“ und weitere, tiefere Bedeutungsschichten nach wie vor mitschwingen. Schließlich blickt der Resonanzbegriff auf eine lange (auch musikalische) Geschichte zurück, die von der Antike über die barocke Affektenlehre und Plessners Resonanzbegriff bis hin zu weiteren, modernen Resonanztheorien reicht.

Im Mittelpunkt der Überlegungen steht dabei der musikalische Gegenstand in seinen verschiedenen Aggregatzuständen: Als tönend-flutende Luft hat Musik keinen Ort, in der Partitur festigt sie sich allenfalls als kondensierte Materie: Musik wird geboren als kompositorischen Ide, erscheint als Niederschrift dieser Idee in der Partitur, sie führt ein kurzes Leben als musikalische Interpretation dieses Notats und festigt sich als innerer Besitz des Musiker und seiner Hörer. Wie solch ein Changieren zwischen den Aggregatzuständen auf Resonanzerfahrungen beruht, soll Gegenstand der Diskussion sein.

Mit Blick auf „Resonanz“ als ein vielschichtiges Begriffs- bzw. Metaphernfeld soll Hartmut Rosas Resonanztheorie hier musikpädagogisch gelesen werden. Dabei gilt es, ihn sowohl vor übereilten Kritikern zu schützen, als auch die ihm geneigten Leser vor einer vorschnellen (musik-)pädagogischen Beschlagnahme seiner Ideen zu bewahren. Vielleicht kann es dann gelingen, im Unterricht „den Resonanzdraht in Schwingung“ zu versetzen und „die Welt zum Singen zu bringen“ (Rosa).

GABRIEL DÖRNER

Bleibt gesund?!

Session II

 

Seit einigen Monaten gehört Gesundheit zum Abschiedsgruß (»Bleib gesund!), gleichzeitig ist Husten und Niesen in der Öffentlichkeit mit einer nie da gewesenen Scham belegt. Krankenhäuser ächzen unter finanziellen Einbußen durch die Pandemie, und dennoch stellt sich heraus, wie wichtig eine flächendeckende Versorgung ist, um die Gesundheit der Bevölkerung zu erhalten. Reformiert die Pandemie unser Bild von Gesundheit und Krankheit? Werden bleibende Veränderungen im deutschen Gesundheitssystem möglich oder kommt nach der Corona-Hysterie die Lethargie?

In diesem interaktiven Workshop setzen wir uns mit persönlichen und kollektiven Gesundheitsbegriffen auseinander und werden in Gesprächen und Diskussionen herausfinden, wie das Gesundheitssystem zwischen Konzerninteressen und Alternativmedizin wieder zum schwingenden System werden könnte.

SVENJA ROSENBAUM

Interaktiver Spaziergang

Session II

 

Architektur lässt sich im Allgemeinen als ein Geflecht aus räumlichen Beziehungszusammenhängen definieren. Spazieren wir durch sie hindurch, leben, arbeiten und denken wir in ihr, bedeutet dies immer auch Beziehungszusammenhängewahrzunehmen und zu erleben. Möchten wir architektonische Räume auch als Resonanzräume verstehen, müssen wir nach Hartmut Rosa die Antwortqualität des Raumes in den Fokus nehmen. Sagt mir dieser Raum etwas, berührt er mich, verändert er mich? Fängt der Weltausschnitt Architektur für mich zu sprechen an? Dieser interaktive Spaziergang rund um den Bauhaus-Campus soll sich diesem Thema annähern. Die genaue Wahrnehmung und unser eigenes Verhältnis zum Raum sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Was sagen uns diese Räume? Was erschließt sich mir erst durch den Kontext und das Hintergrundwissen (z.B. historisches Wissen), was kann ich aus dem Material, der Anordnung, der Zusammenhänge entnehmen. Es geht dabei zugleich um die Schärfung der eigenen Wahrnehmung und zugleich auch darum ihre Bedingungen zu erkennen. Resonanz ergibt sich auch durch die Unverfügbarkeit der Sache selbst. Die beste Vermittlung kann keine resonante Beziehung – weder zwischen dem Vermittler und dem Zuhörer noch zwischen dem Zuhörer und dem Objekt – erzeugen. Man kann jedoch Bedingungen schaffen, die einen solchen Zugang ermöglichen können. Ein Weg führt über die Sensibilisierung der Wahrnehmung. In diesem Spaziergang geht es nicht darum konkrete Übungen zu absolvieren (obwohl es vielleicht Übungen als Angebot geben wird) und auch nicht ein fest umrissenes Wissen zu vermitteln (obwohl wir uns Wissen erschließen werden). Sinn dieses Workshops ist es, dass wir uns in der intensiven Wahrnehmung und im gemeinsamen Gespräch einen Zugang zu den uns um-gebenden Räumen erarbeiten, was einen Resonanzraum ermöglichen kann. Die gewonnenen (positiven wie negativen) Erfahrungen können in die eigene Vermittlungs-tätigkeit eingebracht werden. Angesprochen sind Alle, mit oder ohne Vorwissen in Bezug auf Architektur & Raum, die ihre Wahrnehmung erweitern, hinterfragen oder in einen größeren Kontext einbeziehen wollen, sowie Interesse an einer gemeinschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Raum haben.

MARTIN REPOHL

In Resonanz mit den Dingen? - Beziehungsqualität gemeinsam entdecken

Session II

 

Über Resonanz zu sprechen erscheint oftmals einfacher, als konkrete Resonanzerfahrungen zu machen und diese zu reflektieren. Ziel des Praxisworkshop ist es, theoretische Konzepte wie Resonanz, Entfremdung und Weltbeziehung mit persönlichen Erfahrungen zu konfrontieren und so gemeinsam zu diskutieren, wie diese Begriffe für die Schulung von Wahrnehmung produktiv genutzt werden können. Welche Fragen sich konkret stellen und welche Aspekte relevant werden können, wenn es um ein resonanzsensibles Verhältnis zu den Dingen geht, dies wollen wir anhand ausgewählter Objekte praktisch erarbeiten und so versuchen, die Dinge zum Sprechen zu bringen. Interessent_innen, welche am Workshop teilnehmen wollen, werden gebeten, Objekte mitzubringen, deren Beziehungsqualitäten untersucht werden sollen.

BARNABAS HERRMANN

Eintreten in die Gegenwart: Improvisation als gestaltete Zeit. Eine Lecture-Performance

Session II

 

Wann immer man über Erfahrungen redet, hat man es, unter anderem, mit zeitlichen Phänomenen zu tun. Was immer sie sonst noch sein mag – jede Erfahrung ist zeitlich.Die Philosophie der Zeit klärt uns darüber auf, wie sehr wir über die Bedingungen unserer eigenen Erfahrungen im Unklaren sind. Spätestens seit den phänomenologischen Untersuchungen Edmund Husserls wissen wir, dass die Zeit, die Gegenwart „in der wir leben“, ein Konstrukt ist, das Ergebnis einer komplexen Syntheseleistung des Bewusstseins, das die Leereder physikalischen Zeit mit Dauer füllt, ihre Dimensionen auseinander treibt undden menschlichen Geist zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sich entfalten lässt. Aus dieser Einsicht wird deutlich, warum uns allzu oft unsere Erfahrungen zu entgleiten scheinen; um gelingend zu leben, muss die Gegenwart, jene scheinbar ausdehnungslose Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft, sich öffnen! Denn nur durch sie, jene zugleich unhintergehbare und flüchtige Dimension unserer Lebenszeit können wir in unser eigenes Leben eintreten, etwas wahrnehmen, gestalten und kommunizieren.

 

Während es dem begrifflichen Denken stets schwerfiel, den Zugriff auf die Gegenwart mittels kohärenter Beschreibungen zu eröffnen, gibt es eine Kunstform, die in der Gegenwart immer schon ihr ureigenes Feld sehen konnte: Die Improvisation. In der europäischen Musikgeschichte meist als peripheres Phänomen behandelt, entfaltet sie doch seit einigen Jahrzehnten, nicht nur im Jazz, sondern auch in den extremeren Formen der experimentellen Musik und freien Improvisation stetig wachsendes kreatives Potential.

 

Wenn es nicht gelingen will zu sagen, was die Gegenwart ist, so ließe sich durchimprovisierte Musik vielleicht zeigen, wie es ist, in der Gegenwart zu sein.

LYDIA MÜLLER UND CORNELIA BLÄTTLER

Session II

TABEA BORCHARDT

Möglichkeitsräume - Wege und Orte der Vermittlung, Freiheit der Ausgestaltung, Perspektiven vermittelnder und pädagogischer Angebote
Session III

 

In der Kunstvermittlung und Kunstpädagogik begegnen uns Menschen jeden Alters, die unterschiedliches Hintergrundwissen und verschiedene Vorstellungen mitbringen. Zugleich bringen all diese Personen eigene Fähigkeiten, Gedanken und Ideen in Projekte ein – wenn wir den Raum hierfür schaffen. Welche Ansätze, Möglichkeiten – und auch Hürden – sich in der praktischen, kunstvermittelnden Tätigkeit zu bewegen, birgt diese große Diversität von Altersgruppen, Vorkenntnissen, Orten und Räumen? An welcher Stelle kann ich mich als Vermittelnde Person, und als Mensch positionieren, in der Vielfalt der beruflichen und inhaltlichen Perspektiven? Inwieweit bereichern Impulse von Innen und Außen einzelne Projekte? Wie können Wechselspiele zwischen vermittelnder Person und jeweiligem Gegenüber initiiert werden? Wie können Räume geöffnet werden, für Diskurs und eigenständiges Experimentieren und Agieren in der künstlerischen Praxis? Diese und weitere Fragen sind Bestandteil des Open Space

 

Die freischaffende Künstlerin, Kunstvermittlerin und Mitglied des Künstlerkollektivs Triebfeder, Tabea Borchardt, berichtet aus verschiedenen Praxisfeldern wie beispielsweise Museen, Schulen, Kita’s und Projekten in freier Trägerschaft.

 

Der Open Space bietet Raum für Austausch, Fragen, Ideensammlung und Diskussion. Dieser so gewonnene offene Raum, bietet Möglichkeit sich selbst bewusst zu positionieren, sowie Ideen und mögliche Wege für die eigene Zukunft in der Kunstvermittlung zu entwickeln.

JULIA HEISER

Session III

ELISABETH APEL

Die Thüringer Kunstmappe "Bildberührung" - Eine Antwortbeziehung.

Session III

 

Kunstwerken können wir uns auf ganz unterschiedlichen Ebenen nähern und sie für unseren Unterricht und die eigene ästhetische Auseinandersetzung verwenden. Am Beispiel der Thüringer Kunstmappe "Bildberührung" werden wir erkunden, wie wir Kunstwerke nutzen und Schülerinnen und Schülern vielfältige ästhetische Erfahrungsräume öffnen können. Durch (über-)zeichnen, collagieren, umdeuten uvm. werden wir in Resonanz mit den Werken der Kunstmappe gehen und individuelle Antworten entwickeln.

ALEXANDRU SALARIU & SIMON KÖRNER

as solid as not me

Soundforschung am Samstagabend

 

Materie wird meist durch ihre sichtbare Grenze bestimmt. Das Ich bleibt unter meiner Haut, du hörst dort auf, wo meine Augen dich berühren können. Die meist auf das Auge eingeschränkte Erzählung der menschlichen Wahrnehmungsapparate versucht das Individuum in seinen Körpern zu ermitteln, die immer nur abgetrennt und als Einzelne existieren.

 

„as solid as not me“ ist ein Raumresonanzritual, das mit dieser Erzählung bricht. In taktilen und auditiven Resonanzerfahrungen kann ein Raum seine Bestimmung leere Lufträume einzuschließen verlieren. Architekturen wie Körper werden zu einem Nexus aus Schwingungsrelationen, das Ich ist bestimmt durch die Elemente der eigenen Überschreitung.

 

In gemeinsamen Sound-Interventionen forschen Michael Akstaller, Alexandru Salariu und Simone Körner an Technologien, „bodily tools“ zur Vermittlung verschiedener Materien und Entitäten, Innen und Außen. Resonanz als eine Technologie sich ständig in Bezug zu setzen.

 

„Der Sound schwoll an, quoll und floss in die umliegenden Räume. War man davor in einer lockeren, belustigten Art durch den Raum stolziert, so begannen nun alle zu schleichen, zu horchen, zu schauen - nur wohin?“

PROF. DR. PFLEIDERER

Resonanz, Musik und gelingendes Leben. Zur Soziologie der Weltbeziehung von Hartmut Rosa

Keynote am Sonntag

 

Der Begriff der ‚Resonanz‘ wurde von dem Soziologen Hartmut Rosa als Metapher für eine gelingende Weltbeziehung des Menschen gewählt. Der technologischen und sozialen Beschleunigung, der zunehmenden Reichweitenerweiterung, Ressourcensteigerung und Instrumentalisierung sowie der damit einhergehenden ökologischen, ökonomischen und psychischen Krisen und Entfremdungserfahrungen stellt Rosa die Anverwandlung von Welt durch resonante Beziehungen entgegen.

 

In meinem Vortrag möchte ich zentrale Aspekte von Rosas Resonanztheorie skizzieren, so die vier konstitutiven Momente einer Resonanzerfahrung und die Konzepte der Resonanzachsen und Resonanzdimensionen, und dies mit Beispielen aus Musik und musikalischen Praktiken veranschaulichen. Musik wird von Rosa als Beispiel für eine Resonanzsphäre herangezogen, bei der alle drei Resonanzdimensionen (horizontal, diagonal, vertikal) zusammenwirken. In Musik können zudem Entfremdungserfahrungen auf resonante Weise thematisiert werden. Zugleich werfen die mediale Allgegenwart von Musik und die Tendenzen zu ihrer Instrumentalisierung auch einige grundsätzliche Fragen an die soziologische Resonanztheorie auf: Wo genau liegen die Grenzen zwischen transformativen Resonanzerfahrungen und einem (selbstgewählten oder manipulativen) Rückzug in Resonanzoasen oder einer Flucht in ‚Echokammern‘, die nur noch wenig Bezug haben zur Welt, in der wir leben? Und wie lassen sich umgekehrt Resonanzerfahrungen und Resonanzachsen fördern, Resonanzsphären institutionalisieren und Resonanzsensibilitäten vermitteln?

PROF. DR. PIERANGELO MASET

Re-sponse & Sur-vival - Fragmente zu einer ≫generativen Resonanzästhetik≪

Keynote am Sonntag

 

1. LONGSHIPZ Ein Schiff ist unterwegs. Das Schiff trägt den Namen Bildung. Das Schiff befindet sich auf einer Kreuzfahrt, und es hat einen falschen Kurs eingeschlagen. Als blinder Passagier befindet sich die Kunstpädagogik mit an Bord. Sie wird bei einer Kontrolle erwischt und kann nun für den Rest der Reise, deren Ende nicht absehbar ist, leichte Reparaturarbeiten ausführen, Rostflecken ausbessern, Farbe auftragen oder Passagiere und Besatzung mit einem Programm unterhalten. Auf den Kurs des Schiffes vermag sie kaum Einfluss zu nehmen.

2. IT WAZ THE ECO-NO-MY In den zurückliegenden Jahren haben wir eine extreme Ökonomisierung des BildungsWesens erlebt, die insbesondere auch für das Fach Kunst schwer­wiegende Folgen hatte. Die Output-Orientierung von Hochschulen und Schulen führte zwangsläufig dazu, dass irreduzible Bestandteile des Künstlerischen mehr und mehr aus den Bildungsinstitutionen verschwinden.

3. PUBLIC PRIVATE PARTNERSHIT Wir befinden uns heute in einer Lage, in der das Fach Kunst so stark politisiert wird wie noch nie. Diese Politisierung kommt hauptsächlich von „oben“: Aus den Ministerien, Fördergesellschaften, Präsidien, Dekanaten und Rektoraten. Unter dem Begriff „Gouvernementalität“ ist ein komplexes Gerüst von Formen der neuzeitlichen Regierungsweise zu verstehen, die das Verhalten von Individuen und Kollektiven steuern (Foucault 2004). Dabei geht es um Techniken des Regierens, die im Kontext von Macht und Wissen nicht nur bei der Führung eines Staates, sondern auch in den Beziehungen etwa zwischen Arzt/Patient, Schüler/Lehrer bis hin zur Führung „seiner selbst“ (Bröckling/Krasmann/Lemke 2000) wirksam sind. Die in dieser Weise politisch eingesetzten Verfahren und Arbeitsweisen haben sich mittlerweile als „state of the art“ in vielen Institutionen eingeschrieben. So sind die unterschiedlichsten Institutionen – seien es Schulen, Altersheime, Krankenhäuser oder Hochschulen – stark damit beschäftigt, positive Bilanzergebnisse, eine hohe Nachfrage und ihre Alleinstellungs­merkmale anzupreisen. Gouvernementale Strukturen führen letztlich zu einer Verwertungslogik, die sich selbst reproduziert. Unter den Bedingungen solcher Steuerung wird Sichtbarkeit zu einer politischen Kategorie, die die dominanten Akteure in die Endlosschleifen medialer Repräsentanz stellt und für die „Anderen“ deren Unsichtbarkeit vorsieht: „Grund genug also, sich genauer mit den Formen der Sichtbarkeit zu beschäftigen und danach zu fragen, wie uns etwas zu sehen gegeben wird und was darin gleichzeitig als Unsichtbarkeit entsteht.“ (Schaffer 2008, S. 21)

 

4. ENE-MY In der Pädagogik hat sich in den letzten Jahren als sichtbarer Mainstream die quantitative empirische Bildungsforschung durchgesetzt und ihre durchaus strittigen Expertisen flächendeckend verbreitet. Im Zuge dieser Entwicklung ist die Kunstpädagogik in eine Zwickmühle geraten, sie muss mit den PISA- und BMBF-Assimilierten um eine Sichtbarkeit ringen, die sie eigentlich nicht leisten kann, wenn sie ihre zentrale Aufgabe ernst nimmt – die Ermöglichung von Freiheitsgraden mittels ästhetisch-künstlerischen Denkens und Handelns. Die „Kompetenzorientierung“ bewirkt auch eine immer vollständigere Messbarkeit des Faches Kunst. Feindlich.

 

 5. DEEEEP READING Die selbstbestimmte akademische Lektüre wird immer mehr zur Ausnahme, ebenso die selbstbestimmte akademische Text- und Bildproduktion. Die Studierenden werden heute einer inflationären Flut von Downloads ausgesetzt, mit PDFs und PowerPoint-Präsentationen überhäuft. Wieviel Raum besteht noch für das intensive Lesen aus Lust, wo taucht im modular getakteten Studium noch die intensive Lektüre auf, die sich z.B. dadurch auszeichnet, dass auch zunächst überfordernde, unverständliche Texte aus freien Stücken gelesen werden, um das eigene Bewusstsein in Bewegung zu bringen? Maryanne Wolf spricht hierzu vom „deep reading“ (Wolf 2018). Der Raum für autonome Lektüre und Textproduktion muss neu eröffnet werden.

 

6. RE=SPONZE Es stimmt zuversichtlich, dass Stimmen sich mehren, die der engen Welt der Standardisierung und Kontrolle andere Entwürfe entgegensetzen (vgl. Rosa/ Endres 2016). Ästhetisch-künstlerisch und pädagogisch geht es um die Resonanz zwischen unterschiedlichen Energien und Effekten, Objekten und Subjekten. In der Theorie der „Morphischen Resonanz“ geht es z.B. um die Frage, wie sich Formen in der Natur bilden und wie sie sich erhalten und verändern. Rupert Sheldrake stellt hierzu dar, dass es resonante morphogenetische Felder und Rhythmen gibt, durch die „[…] formative Kausaleinflüsse über Raum und Zeit wirksam werden […] Der Begriff ‚morphisches Feld‘ bezieht sich nicht nur auf morphogenetische Felder im engeren Sinne, sondern auch auf Verhaltensfelder, soziale Felder, kulturelle Felder und mentale Felder. Morphische Felder werden durch morphische Resonanz mit früheren morphischen Einheiten einer ähnlichen Art […] geformt und stabilisiert“ (Sheldrake 1992, S.436). Eine solche Betrachtungsweise könnte sich mit dem generativen bzw. formativen Kern künstlerischer Arbeiten befassen und ihre transformativen Kräfte ins Zentrum stellen. Mit einer möglichen Generativen Resonanzästhetik soll kein System von Regeln (wie in der „Generativen Transformationsgrammatik“, vgl. Chomsky 1973) aufgestellt werden. Im Gegensatz zur sprachlichen Kommunikation, die vom kommunikativen Verständnis abhängt, ginge es in der Generativen Resonanzästhetik um die Entwicklung von Formen und Gestaltungen sowie um deren situativen Potenziale und transformativen Effekte. Resonanz ereignet sich dabei im Sinn von Kunst oder im Sinn von Nicht-Kunst bzw. im Sinn von Nicht-Kunst als Kunst oder Kunst als Nicht-Kunst.

 

 

9. Studentische Tagung zur Kunstvermittlung in Weimar

Resonanz 2020