»Let's get digital!« - Ein Vermittlungsexperiment

Smartphones begleiten uns. Über Smartphones kommunizieren wir viele Stunden am Tag, konsumieren Kommunikation und sind dadurch in ständiger Aufnahmebereitschaft. Wir sind Abhängige, die Neurosen entwickeln und schwerlich den konditionierten Blick einmal nicht auf das Display wagen können. Wir sind süchtig nach der Aufmerksamkeit der Anderen an ihren Smartphones, so dass wir Konzerte und Museumsbesuche noch während des Erlebens und Durchschreitens schon auf Instagram und Co. mit unseren Followern geteilt haben.

Wir wollen, dass andere sehen, aber sehen diese auch dasselbe? Sehen die Betrachter einer Story das Bild als Bild oder auch den Kontext, die persönlichen Gefühle und verstehen diese auch

gemäß unserer Intention? Diese Fragen sind nicht neu in der Kunstvermittlung, doch im digitalen Zeitalter, in dem Flüchtigkeit und


Aufmerksamkeitsspanne, Ausschnitthaftigkeit und die Verzerrung des realen Raumes, muss die Frage nach dem Gelingen einer Kunstvermittlung in einem solchen digitalen Szenario gestellt werden.

Zwei Vermittlerinnen, die sich an unterschiedlichen Orten befinden, versuchen eine rein digitale Kunstvermittlung zu beginnen, die in Echtzeit auf Instagram in den jeweiligen Stories ausgebreitet wird. Die Vermittlerinnen wagen sich so an ein Selbst-Experiment, der jeweils Anderen einen Ort, ein Erlebnis zu vermitteln, wenn diejenige selbst nicht dort ist. Wie viel Kontext benötigen wir? Welche Eindrücke werden übertragen? Welche werden vermittelt? Welche entstehen überhaupt? Was geht verloren?

Doch das Vermittlungsexperiment soll an diesem Punkt nicht enden. Die Eindrücke werden nun mit den TeilnehmerInnen der Tagung geteilt, indem die im »Highlight« gesammelten Stories am Tagungsort präsentiert werden. Die Betrachtergruppe vergrößert sich, die Qualifikationen sind sicherlich andere als unter den Followern. Die Gruppe hat jedoch auch einen anderen Blick auf die Vermittlerinnen. Die TeilnehmerInnen sind zunächst eingeladen, ihre Empfindungen nach der Präsentation bzw. digitalen Kunstvermittlung mitzuteilen. Was wird gesehen? Was ist bekannt/ unbekannt? Was irritiert? Welche Fragen entstehen? An welcher Stelle funktioniert eine Resonanz?

Die TeilnehmerInnen sollen sich ein Bild von den jeweiligen Ausstellungen machen.

Die entscheidende Frage, der in einer anschließenden Diskussion nachgegangen werden soll ist: Was passiert mit dem Betrachter, wenn das Kunsterleben und die Kunstvermittlung, weder das Werk noch die Vermittlerinnen anwesend sind und alles komplett digital stattfindet?

Elisabeth Hecker studierte Kunst und Chemie auf Lehramt für Gymnasien und Gesamtschulen an der Universität Paderborn. Nach dem Zweiten Staatsexamen am ZfsL Detmold arbeitet sie seit 2019 am Christian-Dietrich-Grabbe Gymnasium in Detmold.

 


Filis Merit studierte Kunst, Germanistik und Mathematik (DGS) auf Lehramt für Grundschulen an der Universität Paderborn. Sie absolvierte ihren Vorbereitungsdienst am ZfsL Detmold. Seit 2018 arbeitet sie an der Grundschule Helpup.

 


Abbildung: Filis Merit. Fotografien: Alice Plat, Filis Merit