»Three to One« - Klingende Kunst im Kontext von Großausstellungen, Sound Studies und Vermittlungspraxis

»Three to One« ist der Titel einer in Kassel verbliebenen Klanginstallation der documenta 9 (1992) von Max Neuhaus. Diese Installation bespielt drei Stockwerke eines Hauses mit je einem Ton. Ganz ähnlich behandelt der Vortrag klingende Kunstwerke unter drei Gesichtspunkten. Zum einen im Hinblick auf die Anwendung in documenta-Ausstellungen, zum anderen in einem wissenschaftlichen Klangkunst-Diskurs und schließlich im Hinblick auf Vermittlung klingender, bzw.


klangbasierter Kunstwerke. Der Diskurs um Klang in der Kunst ist in den letzten Jahren immer umfangreicher und prominenter geworden. Davon zeugen nicht nur die neuen Professuren für »Sound« an Kunsthochschulen, sondern auch zahlreiche Publikationen und Konferenzen. Man spricht im Zuge dieser steigenden Relevanz und Rezeption vom Thema Klang in der Kunst auch vom sonic turn. Die documenta 14 räumte klangbasierter Kunst einen besonderen Stellenwert ein, am prominentesten indem sie einen eigenen Kurator für »Sound and Music« beschäftigte, was als Indikator für den Bedeutungszuwachs des Themas betrachtet werden kann. Längst ist Klangkunst aus den globalen Großausstellungen nicht wegzudenken, und doch erstaunlich wenig erforscht. Im Vortrag wird anhand von ausgesuchten Beispielen aus der documenta-Geschichte ein Überblick über die Anwendung von Klang im Kontext von Großausstellungen gegeben. Die documenta fungiert hier als eine Art Fallbeispiel für diesen komplexen Untersuchungsgegenstand. Es wird darüber hinaus insbesondere auf die Probleme und Möglichkeiten eingegangen, die in Vermittlungssituationen mit diesen Kunstwerken entstehen. Viele Klangkunstwerke stellen besondere Anforderungen oder Bedingungen an die Besucherinnen und Besucher und erwarten oft unkonventionelle Annäherungen im Raum. Sie bewegen sich oft zwischen etablierten Formaten und sprechen bewusst verschiedene Sinnesebenen an. Dies bringt besondere - oft ganz praktische - Herausforderungen an Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittler mit sich. Der Vortrag dabei die drei Themenbereiche documenta-Forschung, Sound Studies und Kunstvermittlung an der gemeinsamen Schnittstelle documentazusammen und sucht nach Lösungsansätzen für eine angemessene Kunstvermittlung von Klangkunst im Kontext von Großausstellungen.

Joshua Weitzel hat in Göttingen (BA Musikwissenschaft/Politikwissenschaft) und London (MA Education in Arts and Cultural Settings) studiert und ist momentan Doktorand am Edinburgh College of Art, University of Edinburgh, wo er über Klang im Kontext der documenta-Geschichte promoviert. Als Musiker im Bereich der experimentellen Musik spielt Joshua Weitzel weltweit Konzerte und leitete mehrere Workshops, u.a. an der FH Potsdam und der Ritsumeikan Universität in Kyoto. Neben der künstlerischen und akademischen Praxis verfügt Joshua Weitzel über vielfältige professionelle Erfahrungen im Kulturbereich, unter anderem als Kunstvermittler und als künstlerischer Leiter der Chamäleon Konzerte und der Galerie Feiertag in Kassel.